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Der Wald im Klimawandel

Buchen mit Sonnenbrand, Schleimfluss und absterbenden Kronen (Belm, Oktober 2019) © Valentin Egbert

Ausgangssituation und Ursache

Nach dem sehr niederschlagsreichen Sommer 2017 schädigten erste Herbststürme und vor allem der Sturm Friederike (18. Jan. 2018) sehr viele Fichtenwälder in Südniedersachsen ebenso wie im Teutoburger Wald. Es folgten der Sommer 2018 und 2019. Diese waren, vor allem im Nordwesten Deutschlands, überdurchschnittlich warm und trocken. Diese Wetterextreme gehen auch am Wald in Deutschland nicht spurlos vorbei. Die Bäume litten nicht nur unter den ohnehin schon schweren klimatischen Bedingungen, sondern sahen sich auch der Gefahr von Schadorganismen ausgesetzt, welche durch dieses Wetter optimale Lebensbedingungen vorfanden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Fichtenwälder auch auf Böden gepflanzt, die für diese Baumart eigentlich nicht optimal geeignet waren. Dies wurde nicht aufgrund von Unwissenheit oder Profitgier getan, sondern aufgrund von Knappheit an Saatgut anderer Baumarten und um schnell Bauholz für den Wiederaufbau Deutschlands zu bekommen. Ein Großteil der Reparationen an Großbritannien musste Deutschland nämlich mit Holz begleichen, deshalb und wegen des Raubbaues während des Krieges gab es nach dem zweiten Weltkrieg riesige Kahlflächen in unseren Wäldern.

Schadorganismen und Symptome

Die so entstandenen Wälder wurden in den beiden vergangenen Sommern mit extremer Trockenheit konfrontiert. Der Borkenkäfer vermehrte sich bei diesem Wetter stark und richtete sowohl im Umland von Osnabrück, als auch in anderen Teilen Deutschlands, wie dem Harz, große Schäden an. An vielen Stellen profitierte er auch von Restbäumen oder Kronen vom Sturm Friederike. Der Käfer frisst seine Gänge in den Bast der Baumrinde und verhindert so, dass der Baum mit den Produkten aus der Photosynthese versorgt werden kann. Der Baum stirbt ab. Aus einem Weibchen können unter optimalen Bedingungen innerhalb eines Jahres über 100.000 neue Käfer entstehen. Diese Massenvermehrung ist nur schwer aufzuhalten und hat in den letzten beiden Jahren deutliche Spuren in den regionalen Wäldern hinterlassen. Teilweise sind Fichtenwälder flächig abgestorben. Den Borkenkäfer gab es übrigens schon immer im Wald, in „normalen“ Jahren können sich die Fichten durch Harz gegen ihn wehren. Der Käfer wird beim Versuch sich in die Fichtenrinde einzubohren mit Harz umhüllt und stirbt ab. In den letzten beiden Sommern haben die Fichten aufgrund der extremen Trockenheit aber nicht mehr genügend Harz bilden können, um sich gegen die Unmengen an Käfern zur Wehr zu setzten. Die Borkenkäfer hatten leichtes Spiel.

Auch viele Rotbuchen sind in 2019 der Trockenheit zum Opfer gefallen, sie reagieren zeitverzögert auf Trockenjahre. Die eigentlich von Natur aus in unseren Wäldern dominierende Baumart hat in diesem Jahr ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. In Zeiten des Klimawandels sind trockene Sommer in vielen Buchenwäldern ein Problem für die Wasserversorgung des Baumes. Ein Beispiel ist der Schölerberg, nördlich des Osnabrücker Zoos. Versucht man dort einen Spaten in die Erde zu stecken, so stößt man nach ein paar Zentimetern auf Kalkstein. Das bedeutet, dass die Wurzeln der Bäume nicht viel Platz im verwitterten Oberboden haben, um Halt zu finden und der Boden nicht viel Wasser speichern kann. Bekommt eine Buche auf solchen Standorten nicht regelmäßig Niederschläge, so leidet sie schnell unter Trockenstress. Die daraus resultierenden Folgen sind Sonnenbrand (dem flächigen Absterben von Rinde durch zu viel Hitze und Sonneneinstrahlung), Zurücktrocknen der Krone, Rinden- und Fäulepilzbefall bis hin zu Insektenbefall durch Pracht- und Buchenborkenkäfern.

Das „Buchensterben“ wird uns die nächsten Jahre noch weiter beschäftigen, da die Buchen über mehrere Jahre leiden. Entscheidend wird sein, wie sich die Niederschläge und die Bodenwasservorräte entwickeln. Auf flachen Waldböden mit geringer Wasserspeicherkapazität werden wir Förster mit der Buche künftig vorsichtig sein.

Für die im Teutoburger Wald noch in großer Zahl verbleibenden Fichten lohnen alle Anstrengungen, sie vor Käferbefall zum Beispiel durch Fangnetze zu bewahren. Denn in einigen Jahren wird frisches Fichtenholz zum Beispiel für den umweltfreundlichen Hausbau mit Holz wieder benötigt werden. Entscheidend für die Erholung der Fichtenwälder ist auch die Menge der Niederschläge vor allem in den Wintermonaten. Die ungeheuer große Zahl an Borkenkäfern, die im Frühjahr aus dem Winterquartier im Boden oder unter der Baumrinde kommen, bleibt jedoch ein großes Risiko. Denn die verbleibenden Fichtenwälder haben sich noch nicht von den Trockenjahren erholt und an vielen Stellen ist der Wald durch die Käferlöcher so instabil, dass auch die Herbst- und Winterstürme in den nächsten Jahren noch viel Schaden anrichten können.

Die Lage bleibt unkalkulierbar und hängt von vielen (Wetter-)Faktoren ab, die durch die Förster nicht beeinflusst werden können. Entwarnung kann also noch nicht gegeben werden

Gefährdung für Waldbesucher

Diese Schäden führen in den meisten Fällen zum Tod des Baumes und somit zu einer Gefahr für Waldbesucher. Das Holz der Rotbuche zersetzt sich sehr schnell. Manchmal ist ihre Standfestigkeit schon nach ein paar Monaten nicht mehr gewährleistet und der Baum kann bei leichten Winden große Äste verlieren oder gar ganz umfallen. Das bedeutet im schlimmsten Falle: Lebensgefahr. Im Schölerberg wurde im vergangenen November auf diese Gefahr reagiert und die offensichtlich kranken Bäume entnommen, um die Wege für Besucher wieder so sicher wie möglich zu machen

Ausblick für den Wald

Nadelholz:

Die Borkenkäferpopulation ist nach wie vor extrem hoch, es wird auch 2020 zu Schäden kommen. Wie hoch die sein werden hängt vom Niederschlag in diesem Sommer ab.

Laubholz:

Die Laubbäume sterben langsamer und schleichender ab. Leider ist zu befürchten, dass die Wurzeln durch die Trockenheit bereits so stark geschädigt sind, dass weitere Bäume absterben werden.

Der Buche und der Fichte wurde mit Abstand am meisten durch den Klimawandel zugesetzt. Die Liste der Bäume, die bedenkenlos mit dem Klima der nächsten Jahre zurechtkommen, wird jedoch nicht nur wegen dieser beiden Arten kürzer. Die Eiche hat durch die Trockenheit ebenfalls einen Vitalitätsverlust erfahren. Hinzu kommen bei ihr aber auch blattfressende Raupen wie der Schwamm- oder der Eichenprozessionsspinner. Die Lärche litt, ähnlich wie die Fichte auch, unter dem Befall eines Borkenkäfers. Die Esche zieht sich aufgrund des Eschentriebsterbens, ausgelöst durch einen Pilz, ebenfalls langsam aus den Wäldern zurück.

Das, was bleibt, sind die Erfahrungen der letzten Jahre. Waldbesitzer und Förster versuchen schon seit den 1970er Jahren den Wald für das Klima fit zu machen. Es wurden Mischbestände etabliert und strukturreiche Wälder geschaffen. Trotz aller Bemühungen gab es jedoch viele Schäden in den Wäldern. In Wäldern, die vor 70 bis 200 Jahren begründet wurden und die nicht, so wie in der Landwirtschaft, innerhalb eines Jahres umgebaut werden können. Es muss mit dem Gegebenen gearbeitet und versucht werden Fehler nicht zu wiederholen. Der Waldumbau braucht Zeit und Weitsicht auf über 100 Jahre. Es gilt neue, trockenheitsresistente Baumarten und eine breite Baumartenmischung von Nadel- und Laubbäumen zu etablieren. So kann der Wald zukünftige Schadereignisse ohne gravierende Verluste überstehen und die Erfüllung all seiner Funktionen gewährleisten.

Wir bedanken uns bei Valentin Egbert vom Niedersächsischen Forstamt Ankum für diesen ausführlichen und informativen Text!