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News: Biodiversität von Wiesen- und Weideflächen kann ein Gewinn sein

Großangelegte Studie weist den Nutzen hoher Wiesenflächen-Biodiversität für Natur, Landwirtschaft und Tourismus nach

Ein internationales Team um die Senckenberg-Forscher*innen Dr. Gaëtane Le Provost und Dr. Peter Manning hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist. Die jetzt in der Zeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienene Studie weitet dabei erstmals den Blick auf insgesamt 16 Ökosystemleistungen – von ökologisch bis kulturell – und betrachtet die Biodiversität landwirtschaftlich genutzter Wiesen- und Weideflächen im großen Maßstab. Die Forschenden zeigen: Von einer hohen Pflanzendiversität können lokale Akteur*innen vom Tourismus bis zur Landwirtschaft profitieren.

 

Untersucht wurden landwirtschaftlich genutzte Wiesen- und Weideflächen in verschiedenen ländlichen Regionen Deutschlands. Die Forschenden werteten Daten aus, die seit 2006 im Rahmen des Projekts „Biodiversity Exploratries“ kontinuierlich für Flächen in der Schwäbischen Alb, der mitteldeutschen Hainich-Dün-Region und dem Brandenburgischen Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin erhoben werden.

„Die Flächen unterscheiden sich in Klima und Topographie und sind gleichzeitig beispielhaft für unterschiedliche Arten typischer Wiesen-Nutzung in Mitteleuropa“, erklärt Le Provost und fährt fort: „Wir haben insgesamt 150 Wiesenflächen über den Zeitraum von 2006 bis 2018 untersucht und dabei erstmals 16 verschiedene Ökosystemleistungen in den Blick genommen – von Futterqualität und Bestäubung über eine Vielzahl von Faktoren zur Bodenqualität wie Kohlenstoffspeicherung oder Grundwasserneubildung bis zu sogenannten kulturellen Ökosystemleistungen, die unser Naturerlebnis betreffen. Zum Beispiel die Möglichkeit zur Vogelbeobachtung – oder schlicht der wohltuende Anblick einer üppig blühenden Wiese und der akustische Reichtum, den eine artenreiche Wiesenfläche durch Vogelgesang und andere Naturgeräusche bietet. Bei sehr vielen Ökosystemleistungen konnten wir einen positiven Effekt durch hohe Pflanzendiversität nachweisen!“

In Kooperation mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wurden unter anderem Anwohner*innen sowie Vertreter*innen von Naturschutzorganisationen und der Agrar- und Tourismuswirtschaft zu Workshops eingeladen und repräsentativ befragt. „Wir haben festgestellt, dass ausnahmslos alle befragten Gruppen von einer hohen Biodiversität profitieren könnten – von Anwohner*innen bis zum Tourismus“, berichtet Sophie Peter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISOE.

Zuletzt konnte das Forschungsteam den Nutzen hoher Pflanzendiversität nicht nur für kleinere Flächen nachweisen, sondern nahm auch die Biodiversitätsdynamiken in Bezug auf die weitere Umgebung in den Blick. „Dass die Pflanzendiversität der Umgebung Einfluss auf die Bereitstellung verschiedener Ökosystemleistungen hat, ist eine wichtige Grundlage für lokale Entscheidungsträger*innen“, betont Manning und fasst zusammen: „Politische Entscheidungen zur Landnutzung werden meist im großen Flächenmaßstab getroffen. Dass auch in diesen Dimensionen eine hohe Pflanzendiversität Vorteile für alle Beteiligten bringt – das ist mit unseren Daten nachweisbar!“

 

 

 

Das obige Textmaterial stammt aus einer Pressemitteilung von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN). (15.11.2022)

Die vollständige Publikation ist hier zu finden.